SexMed News

Archiv 2015




William Masters: Zum 100. Geburtstag

27. Dezember 2015

Der amerikanische Gynäkologe William Masters zählt zu den Pionieren der Sexualtherapie. Zusammen mit seiner Assistentin Virginia Johnson untersuchte er, was beim Sexualakt physiologisch passiert. Heute vor 100 Jahren wurde William Masters geboren. Der WDR hat eine zeitgeschichtliche Dokumentation erstellt.

Zeitgeschichtliches Archiv des WDR
Download des Podcast

Himmel und Hölle: Was Sex für uns bedeutet

18. Dezember 2015

Eines der bemerkenswertesten Bücher des Jahres 2015 ist zweifellos "Himmel auf Erden und Hölle im Kopf - Was Sexualität für uns bedeutet". Im Gespräch mit dem Journalisten Michael Lissek gibt unser Kollege, der Sexualpsychologe Christoph J. Ahlers, sein Statement über verschiedenste Facetten menschlicher Sexualität. Das Ergebnis ist ein "hochspannendes Buch über das überwältigende Glück, aber auch die Probleme und Abgründe der Sexualität" (dpa). Die Bucherscheinung wurde von nicht minder bemerkenswerten Presseinterviews begleitet. Einige davon haben wir hier zusammengestellt:

Die Welt: Männer wollen keinen Gnadensex
Zeit Online: Was wissen wir wirklich über Sex?
Brigitte: Was wollen wir uns eigentlich sagen, wenn wir Sex haben?
rbb Inforadio "Zwölfzweiundzwanzig": Podcast: Himmelsglück und Höllenqual

Wünsch dir was: Freie Qual

15. Dezember 2015

Noch rechtzeitig vor Weihnachten berichten Clements Verkehrsnachrichten von zwei Links, über die man wunschweise sexuelle Vorlieben bestellen und wieder loswerden könne. Man will ja mit der Mode gehen ;) Und modern ist es eben, sich seine sexuellen Präferenzen nach Belieben auszuwählen, heute so und morgen vielleicht ganz anders. Etliche Promis und Klatschmedien führen es uns vor, angeblich. Blöd nur, wenn es mit den Wunsch-Vorlieben dann doch nicht so läuft :(
Zum Beitrag: Verkehrsnachrichten "Freie Qual"

BZgA-Studie Jugendsexualität 2015

13. November 2015

Jugendliche gehen verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität um. - Zum achten Mal legt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine groß angelegte repräsentative Studie zur Jugendsexualität vor. Sie knüpft an Vorläuferstudien aus den Jahren 1980 bis 2010 an. In umfangreichen Befragungen (5.750 Interviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen plus Elterninterviews) wurden Einstellungen und Verhalten von Jugendlichen und ihren Eltern in Fragen der Sexualität und Kontrazeption erfasst.

Die verbreitete Meinung, es würden immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, stimmt nicht. Das Verhütungsverhalten ist besser denn je. Sexuelle Erfahrungen unter 14 Jahren sind seltene Ausnahmen. Bis zum 17. Lebensjahr erlebt die Hälfte der Jugendlichen, Mädchen wie Jungs, den ersten Geschlechtsverkehr, und zwar überwiegend in einer festen Beziehung und fast nie ohne Verhütungsmittel. Für die meisten ist "das erste Mal" also eine bewusste Entscheidung, und wenn Jugendliche diese Entscheidung noch aufschieben, dann nicht aus Angst vor ungewollter Schwangerschaft, sondern weil ihnen eine feste Partnerschaft und das Gefühl, den Richtigen / die Richtige zu haben, wichtig sind.

Weitere Ergebnisse und Informationen:
- Zur BZgA-Seite Jugendsexualität 2015
- Hintergrundpapier: Anhand von Grafiken werden wichtige Ergebnisse der Befragung dargestellt - Download als PDF
- Die gedruckte Fassung der Studienergebnisse wird voraussichtlich Anfang 2016 erscheinen.

Vor 50 Jahren: DDR Wunschkindpille

9. November 2015

Im November 1965 wurde in der DDR die hormonelle Verhütungspille "Ovosiston" eingeführt. Damit war die DDR das erste Ostblockland, in dem die revolutionäre Verhütungsmethode zur Verfügung stand. Jedoch wurde die Pille zunächst viel zögerlicher angenommen als erwartet. Ab 1968 durften alle Frauenärzte Ovosiston verschreiben, somit hatten von da an nahezu alle Frauen in der DDR Zugang zu diesem Mittel. Ab 1972 war die Pille kostenfrei und durfte ab dem 16. Lebensjahr verordnet werden.

Anders als zuvor im Westen musste die Pille nicht erstritten werden, im Gegenteil, sie war erwünscht und wurde von der Staatsführung wie von Ärzten und Beratungsstellen propagiert. Und auch die Bezeichnung als Wunschkindpille war eine deutliche Abgrenzung gegenüber der im Westen geläufigen Anti-Baby-Pille. Schließlich verstand sich der sozialistische Staat als kinderfreundlich, wurden Geburten - möglichst zwei, drei Kinder pro Familie - gefördert. Andererseits sollten Frauen berufstätig sein. Die Pille sollte also Schwangerschaft nicht verhindern, sondern planbar machen, um Beruf und Mutterschaft miteinander zu vereinbaren. Sogar der Name "Ovosiston" (Eistopp) widerspiegelt diese Idee.

Am 17. November sendet der MDR eine TV-Dokumentation über die Wunschkindpille aus Jena. Die Autorin und Regisseurin Ute Gebhardt befragt Pharmazeuten, Ärzte und SexualaufklärerInnen, die Ovosiston & Co. auf den Weg brachten. Sie fragt Frauen und Männer nach dem persönlichen Umgang mit dem staatlichen Angebot und stellt die ethischen Fragen zur Familienplanung und zur Verantwortung für das ungeborene Leben.

Link: Zur MDR-Programmseite

Weitere Links: Zeitzeugnisse
Deutsches Rundfunkarchiv 
Die Zeit vom 28. Januar 1972 
Internationale Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie 
Buch: Annette Leo, Christian König: Die "Wunschkindpille"

Verordnete Lust: Verkaufsstart von Addyi in den USA

17. Oktober 2015

Die rosa Pille soll Frauen die Lust zurückbringen. Sowohl das Konzept - Chemie gegen Unlust, verordnete Lust - als auch der Wirkstoff Flibanserin sind umstritten. Die Wirkung ist sehr begrenzt, wird allenfalls einem kleinen Teil der Anwenderinnen überhaupt nützen, und wird andererseits überschattet von Risiken und einschränkenden Anwendungsvorschriften. Zweimal hatte die US-Arzneibehörde FDA eine Zulassung des Medikaments abgelehnt. Im August wurde das Mittel nun doch zugelassen - von derselben Behörde und auf Grundlage desselben Wissenstandes.

Was war passiert? In der Zwischenzeit gab es keine neuen empirischen Daten, welche eine medizinische Neubewertung des Medikaments rechtfertigen würden. Aber es gab eine geschickte Propaganda, die Gleichberechtigung und political correctness einfordert. Nach den vielen sexualunterstützenden Medikamenten für den Mann sei es an der Zeit und ein Gebot der Fairness, auch den Frauen etwas anzubieten. Die Argumentation ist ebenso beharrlich falsch wie die Bezeichnung als "Viagra für Frauen".

Viele Sexualwissenschaftler und Therapeuten sind nicht überzeugt, dass Addyi die Erwartungen erfüllen wird, weder unternehmerisch noch in seiner Wirkung. Das rechnet sich der Hersteller, Sprout Pharmaceuticals, offenbar ganz anders aus. Vorstandschefin Cindy Whitehead berichtet stolz, dass das Unternehmen seit der positiven FDA-Entscheidung 150 neue Mitarbeiter angeheuert hat - so viel qualifiziertes Verkaufs- und Marketingpersonal sei allein dafür nötig, um Addyi auf den Start im Handel vorzubereiten. Eine Herausforderung sieht Whitehead darin, dass sich die Kosten pro Frau auf 400 Dollar im Monat, also fast 5000 Dollar pro Jahr belaufen, weil Addyi täglich eingenommen werden muss. Der Konzern will die Krankenversicherer von einer Kostenübernahme aus medizinischen Notwendigkeit überzeugen, damit es für Kunden bei einer Selbstbeteiligung von nicht mehr als 30 bis 50 Dollar bleibt.

Etwas Gutes bringt das große öffentliche Echo auf die Lustpille jedenfalls schon jetzt, nämlich vermehrte Aufmerksamkeit für die Frage: Was bedeutet Sex zu haben - oder eben auch nicht - in der öffentlichen Meinung und für den Einzelnen und für jede einzelne konkrete Paarbeziehung? Was und wieviel will ich und brauche ich? Vor allem: was brauche ich wirklich? Was ist meins, was ist fremdbestimmt? Wer oder was macht mich glauben, Lust haben zu müssen? Habe ich aus guten Gründen keine Lust? Und wenn tatsächlich Frauen bzw. Paare bereit sind, Tausende Dollar für eine Lustpille hinzublättern, dann zeigt dies auch den Wert unseres Berufes als Paar- und Sexualtherapeuten, die wir die Paare darin unterstützen, genau diese Fragen für sich zu klären.

Sexuelle Unlust wird sich nicht alleine mit einer Pille reparieren lassen. Aber alle Studien mit luststeigernden Pharmaka für Frauen (ob Flibanserin oder Oxytocin oder Testosteronpflaster etc.) haben gezeigt, dass allein schon die intensive Beschäftigung mit der eigenen und der partnerschaftlichen Sexualität eine erhebliche Verbesserung der Zufriedenheit bewirkt. Das nämlich steckt in der "Placebowirkung" drin. Und darüber hinaus bringt der Wirkstoff - bestenfalls- nur noch einen geringen Zugewinn.

Übersicht: Die wichtigsten Anwendungsvorschriften:
- Die Zulassung für Addyi wurde beschränkt für erwachsene Frauen vor der Menopause.
- Addyi muss täglich eingenommen werden.
- Die Nutzerinnen sollen komplett auf Alkohol verzichten, sonst könne es zum Kreislaufversagen kommen. Übrigens kann auch die gleichzeitige Einnahme der Antibabypille das Risiko für Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen erhöhen.
- Addyi ist nicht zur Anwendung zugelassen, wenn der Libidomangel auf medizinische oder psychische Ursachen, auf Beziehungsprobleme oder auf Medikamenten- oder Drogeneinnahme zurückzuführen ist.
- Addyi ist rezeptpflichtig. Es darf nur von Ärzten verordnet und von Apotheken abgegeben werden, welche speziell geschult und zertifiziert wurden.

Webseite von Addyi
Fragebogen: Decreased Sexual Desire Screener (DSDS)

Eine Zulassung von Addyi in Deutschland ist derzeit nicht geplant.

Magdeburger Familien-Infotag "Aktiv gegen Krebs"

6. Oktober 2015

Expertenforum Krebs und Sexualität - Das Tumorzentrum Magdeburg/Sachsen-Anhalt e.V. veranstaltet nunmehr zum 16. Mal den Familien-Infotag unter dem Motto "Aktiv gegen Krebs - Sie fragen, Ärzte beraten". Es werden Möglichkeiten der Krebsprävention und Früherkennung ebenso vorgestellt wie der aktuelle Stand der modernen Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen. Das Themenspektrum enthält Vorträge und Gespräche über die Auswirkungen von Krebserkrankungen auf das Sexualleben von Mann und Frau und darüber, was die Sexualmedizin hier leisten kann. Interessierte Besucher und Betroffene können im Forum mit Experten diskutieren und sich an zahlreichen Ständen informieren.

Wann: Sonnabend, 24. Oktober 2015, 10 bis 15 Uhr
Wo: In der Johanniskirche in Magdeburg
Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenfrei.

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Programmflyer als PDF

Westdeutsches Zentrum für Sexuelle Gesundheit

28. August 2015

Die Uniklinik Essen bündelt die sexualmedizinischen Kompetenzen und Experten aus ihren Instituten und eröffnet im September ein interdisziplinäres Zentrum für Sexuelle Gesundheit. Dies wird ein offenes Netzwerk unter Einbeziehung aller beteiligten medizinischen Fachgebiete, zu denen unter anderem die Gynäkologie, die Urologie, die Dermatologie, die Geriatrie und die Psychiatrie des LVR-Klinikums gehören. Ab Mitte September wird eine zentrale Telefonnummer geschaltet, bei der Ratsuchende sich melden können und an den entsprechenden Experten vermittelt werden.

Pressebericht

Vaginismus: Neue Selbsthilfegruppe in Berlin

28. August 2015

In Berlin befindet sich eine Selbsthilfegruppe in Gründung, in der sich Frauen, die mit Vaginismus leben, über ihre Erfahrungen, Probleme und Sorgen austauschen können. Die Gruppe wird unterstützt von der Selbsthilfekontaktstelle SEKIS, deren Mitarbeiter_innen viele positive Erfahrung mit Selbsthilfegruppen gesammelt haben und die Gruppe am Anfang mit begleiten werden. Selbsthilfeinitiativen zum Thema Vaginismus haben ja eine gute Tradition, aber sind nach unserem Eindruck in den letzten Jahren wieder weitgehend eingeschlafen. Umso mehr wünschen wir der neuen Gruppe alles Gute! Sobald genug Interessentinnen Kontakt aufgenommen haben, kann bei einem ersten Treffen zum Kennenlernen das weitere Vorgehen besprochen werden.

Weitere Informationen und Kontaktdaten

Sexuelle Bildung ist mehr als Gefahrenabwehr-Pädogogik

3. Juli 2015

Kolumne: "Freitags Lust & Liebe"

Sexualerziehung wird häufig auch heute noch reduziert auf eine „Gefahrenabwehrpädagogik“: Verhütung von AIDS, Verhütung von Schwangerschaft, Verhütung von Missbrauch. Das sind wichtige Themen, aber der einseitige Blick vermittelt, Sexualität sei etwas Problematisches. Sexualität ist sinnlich, spannend, lebensbejahend. Sexuelle Bildung bedeutet nicht, intime Details im Unterricht ausbreiten zu müssen. Heranwachsende haben ein Anrecht, Sexualität ganz privat zu entdecken und auszuprobieren. Sie haben auch das Anrecht, nicht jegliche Spielart kennenlernen zu müssen. Zu einer gesunden Sexualentwicklung gehört die Achtung von Privatsphäre und von Schamgrenzen. Um sexuelle Vielfalt anzuerkennen, braucht es keine speziellen Sexthemen im Unterricht, sondern eine respektvolle Haltung. Und die braucht vor allem gute Vorbilder.

Jahrestagung der DGSMTW

15. März 2015

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft e.V. (DGSMTW) findet am 28.03.2015 erstmals in Verbindung mit dem Psychosomatikkongress in Berlin statt. Teilnehmer des Psychosomatikkongresses können mit einer ermäßigten Teilnahmegebühr die DGSMTW-Tagung besuchen. Das wissenschaftliche Programm umfasst einen großen Themenbereich: sexuelle Funktionsstörungen, Paraphilien, Geschlechtsdysphorie, Kinderwunsch, Vaginismus.
Anmeldung und Programm

7. Klinische Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS)

8. März 2015

Das Programm für 7. Klinische Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) liegt vor - Download hier.

Die Tagung findet am 18./19. September in Göttingen statt. Unter dem Titel "Sexualität ohne Körper? - Körper ohne Sexualität?" werden zusätzlich zu den Hauptvorträgen Fallarbeits-Gruppen und mehr Workshops als in den Vorjahren angeboten. Es finden beispielsweise Workshops zu Physio- und Körpertherapie, Sexualität und Alter, zur Behandlung von Sexualstraftätern oder zur Arbeit mit transidenten Jugendlichen sowie zu vielen weiteren sexualtherapeutischen, forensischen und medizinischen Themen statt. Das Anmeldeformular finden Sie hier.

Penislänge - Bin ich normal?

5. März 2015

Für alle, die es genau wissen wollen: Eine neue Studie wertete internationale Messdaten von insgesamt 15521 Männern aus. Die durchschnittliche Länge des schlaffen Penis beträgt 9,16 cm; die durchschnittliche Länge des eregierten Penis 13,12 cm.

Diese und weitere Ergebnisse siehe: Am I normal? BJUI Online

Noch ein Kurzfilm-Tipp: Das Phallometer

7. Februar 2015

Zwei Grenzbeamte nehmen einen iranischen Flüchtling fest. Als er während des Verhörs angibt, homosexuell und daher in seinem Heimatland bedroht zu sein, wird er einem phallometrischen Test unterzogen. - Eine Erektion als Bedingung für einen Asylantrag? Kein Witz. Sondern bis vor kurzem gängige Realität zur Regulierung der Zuwanderung in die Europäische Union. Noch bis Ende 2010 setzte Tschechien die Phallometrie zur Überprüfung von Asylbewerbern ein. Auf Druck der EU, die diesen Test als entwürdigend und als Verstoß gegen Grundrechte kritisierte, wurde dieses Verfahren schließlich eingestellt.

Am 7. und 8. Februar im TV-Programm von arte
Film in der Mediathek ansehen

Paare - Kurzfilmreihe auf arte

2. Februar 2015

Therapeut nötig? Einige der bekanntesten deutschen SchauspielerInnen spielen Paare auf der Couch, in 10 Kurzfilmen á 3 Minuten,
ab dem 2. Februar von Montag bis Freitag jeweils 19:05 bis 19:08 auf arte.

Alle Filmclips in der Mediathek

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